Zoo und Tierpark Berlin -

Der Weg aus den Roten Zahlen ist nur mit guten pädagogischen und modernen Tierhaltungskonzepten möglich

Grundsätzliches zur Zootierhaltung

Zoos sind für Menschen da und ein Zoobesuch soll Spaß machen. Manche Zoochefs haben das verstanden, andere nicht (siehe Videos: Totenkopfäffchen in Halle [oben], Dscheladas in Berlin [unten]).

Die wichtigste Aufgabe von Zoologischen Gärten ist es, Menschen die Natur und die Tiere nahe zu bringen. Anders als vor 20-30 Jahren geht es nicht in erster Linie darum, wilde Tiere zu sehen. Es geht darum, im Zoo Wildtiere zu erleben - mit dem größtmöglichen natürlichen Verhaltensrepertoire, das unter Zoo-Bedingungen möglich ist. Dies ist beispielsweise bei den Bonobos im Zoo Frankfurt am Main in naturnaher Umgebung der Fall (siehe Video).

Informationstafeln zu Primaten im Zoo Frankfurt am Main Es geht darum, etwas über die Lebensbedingungen von Wildtieren zu erfahren und es geht darum, die Kreisläufe und die Bedrohungen des Lebens kennen zu lernen und zu verstehen (Foto: Informationstafeln zu Primaten im Zoo Frankfurt am Main). Menschen sollen Natur und Tiere schätzen, lieben und schützen lernen. Dazu sollen und können gut geführte Zoos einen Beitrag leisten. Artenschutz ist wichtig. Ihm kommt in Zoos durch Nachzucht von Wildtieren nur eine sehr begrenzte Rolle zu. Wichtiger ist der Artenschutz im Rahmen der Bewahrung natürlicher Lebensgrundlagen der Tiere vor Ort.

Die wirtschaftliche Situation des Tierparks ist besorgniserregend

Zwischen der Tierpark GmbH und dem Land Berlin gibt es seit 2007 einen Zuwendungsvertrag. Demnach standen dem Tierpark in diesem Jahr ca. 5 Mio. Euro zur Verfügung. Da das Tierparkmanagement kein Strukturkonzept für die Tierhaltung entsprechend der zur Verfügung stehenden Ressourcen entwickelt hat, haben diese Zuwendungen nicht ausgereicht. Das Land Berlin musste die Tierpark GmbH mit einer Finanzspritze von zwei Mio. Euro vor der Insolvenz bewahren. Beim Abschluss des für die kommenden Jahre anstehenden Zuwendungsvertrages muss der Senat die Konsequenzen aus dem Scheitern des letzten Vertrages ziehen. Das Tierparkmanagement wird sich nicht ändern, so lange der Senat nur die Mittelverwendung und nicht das Tierhaltungskonzept kontrolliert. Da Berlin über zwei um BesucherInnen konkurrierende Zoologische Gärten verfügt, der Zoo sehr zentral liegt und große Tiersammlungen beherbergt, kann der Tierpark sein wirtschaftliches Defizit nur durch strukturelle Maßnahmen bei den Tierhaltungen und eine bessere Profilierung verbessern.

Bislang kein Strukturkonzept, nur Luftblasen

Beim Abschluss des Zuwendungsvertrages im Jahr 2007 hatte der Tierpark das erste Zukunftskonzept vorgelegt. Dieses Konzept verschwand in der Schublade, sein Initiator, der damalige Finanzvorstand musste gehen und wurde durch eine Ex-Finanz-Staatssekretärin ersetzt. Im vergangenen Jahr legte der Zoochef dem Hauptausschuss ein neues Zukunftskonzept vor. Dabei ging es nicht um Struktur- und Haltungskonzepte für die vorhandenen Tierbestände sondern es ging um schöne neue Anlagen und sehr viel Geld: 80 Mio. Euro. Untersetzt ist dieses sog. Urknall-Konzept bis heute nicht. Dem Tierparkmanagement fehlt der Wille zur Veränderung. Solange das undifferenzierte Zukunftskonzept nicht mit einem verlässlichen Tierbestandskonzept verbunden wird, ist es lediglich ein Spiel auf Zeit. Das strukturelle Defizit ist mit zusätzlichen Attraktionen nicht zu beheben. Der Tierpark braucht eine Veränderung von der Wurzel her. Attraktive Zoo-Tierhaltungskonzepte statt Massen-Zootierhaltung.

Tierhaltung und Artenschutz sind mangelhaft

- "Schichtbetrieb" und schlechte Tierhaltungen

Anders als die Mehrheit der Europäischen Zoos hält der Tierpark an überholten Tierhaltungskonzepten fest. Frankfurt am Main, Halle und Heidelberg haben ihre Tierbestände stark gesenkt, Heidelberg um fast die Hälfte. Sie geben den Tieren mehr Raum und die Tierpfleger bieten Beschäftigungsmöglichkeiten als Ersatz für die Einschränkung des Lebensraumes und der Notwendigkeit der Nahrungssuche (Video: Lebensfreude bei den Orang Utans in Hamburg).

Das Berliner Zoomanagement setzt den Fokus auf möglichst große Tiersammlungen. Sie werden wie im vergangenen Jahrhundert in langweiligen Gehegen oder unstrukturierten Käfigen ohne Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Schau gestellt. Dabei sind die Gehege oft nicht nur zu klein, es gibt auch weniger Gehege, als für die vorhandenen Tiere nötig wären. Besonders eng geht es im Brehmhaus zu. Weil es mehr Raubkatzen als Gehege gibt, müssen Großkatzen abwechselnd in Verbindungsgängen und in den Mutterboxen gehalten. Das betrifft z.B. die Pumas und Schwarzen Jaguare. Aber auch Honigdachse und Karakale teilen sich ein Gehege und dürfen nur im Wechsel nach draußen, ebenso die die Sibirische Tiger und viele andere. Überall stehen weniger Flächen zur Verfügung, als nötig sind. Schlecht gehaltene Tiere ohne Beschäftigung entwickeln Verhaltensstörungen, das ist tierschutzwidrig und schreckt BesucherInnen ab (Video: Verhaltensstereotypie eines Malaienbären im Tierpark Berlin).

Und obwohl Platz und Geld nicht ausreichen, hat der Tierparkchef die hohen Tierbestände nicht reduziert. Im Gegenteil: die Zahl der Säugetiere hat sich gegenüber dem Vorjahr von 1.403 auf 1.436 Individuen erhöht. Insgesamt werden 168 Tiere mehr gehalten als im Vorjahr.
Wegen dieses "Schichtbetriebes" wurden jüngst zwei junge Löwen von einem alten Löwen getötet. Ein Pfleger hatte irrtümlich einem der Löwen den falschen Zugang geöffnet. Angesichts von Überfüllung und Geldnot ist völlig unverständlich, dass der Zoochef 17 Elefanten, zig Hirsch- und Rinderarten, jeweils drei verschiedene Hyänen- und Zebraarten sowie hunderte andere Tierarten hält, die sich für die Besucher kaum unterscheiden und aufgrund der Beschäftigungsarmut Verhaltensstereotypien entwickelt haben (Video: Verhaltensstereotypie einer Hyäne im Tierpark Berlin).

Beispiel Elefantenhaltung:
Besonders schlecht ist die Elefantenhaltung im Tierpark. 17 Tiere leben im Elefantenhaus auf kleinster Fläche ohne jede Abwechslung. Da sind Verhaltensstörungen vorprogrammiert (Video: Angekettete Elefanten im Tierpark).

Die Asiatischen Elefanten werden im ungeschützten Kontakt gehalten. Das heißt, die vier Pfleger haben dort direkten Kontakt mit den Elefanten. Das ist Tierquälerei für die Elefanten und eine Gefahr für die Pfleger. Bei dieser Haltungsform müssen die Pfleger die Tiere unterordnen bzw. unterwerfen. Im Tierpark geschieht das durch Schläge, Stiche mit Elefantenhaken und spitzen Metallwerkzeugen. Zuschauer haben beobachtet, wie die Jungtiere gebrochen werden (siehe Video).

Besucher haben fotografiert, wie Elefanten geschlagen und zu Boden gezwungen werden (siehe Fotos).

Elefanten werden geprügelt und durch Pfleger unterworfen

Dass es auch anders geht, zeigt der Umgang mit den Afrikanischen Elefanten. Nachdem eine Elefantenkuh ihren Peiniger in einen Graben gestoßen und schwer verletzt hatte, werden die Tiere im geschützten Kontakt gehalten (siehe Video).

Statt den Elefanten im Inneren des Elefantenhauses ausreichend Platz einzuräumen, wurden dort Seekühe, Faultiere und andere Tiere untergebracht. Verantwortungsvolle Zoos wie z.B. in Heidelberg oder Halle arbeiten nur noch im geschützten Kontakt. Wichtig ist, dass den Tieren vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden (siehe Fotos und Video).

Beschäftigung der Elefanten in Heidelberg

- Inzest-Zucht und Verweigerung wichtiger Europäischer Arterhaltungsprogramme

Europäische Arterhaltungsprogramme (EEP) sind die Basis für Artenschutz in Zoologischen Gärten. Sie garantieren den Austausch der Tiere zwischen den Zoos und damit genetische Vielfalt. Außerdem legen sie Haltungs- und Vermittlungsstandards fest.
Die Berliner Zoos nehmen an vielen EEPs nicht teil, u.a. bei Giraffen oder Elefanten. Deshalb kann insbesondere der männliche Elefanten- und Giraffennachwuchs kaum an gute Zoos vermittelt werden.
Tierschutzrelevant sind die planmäßig stattfindenden Inzest- und Inzucht-Verpaarungen. Inzest, also die Verpaarung von Vater und Tochter oder Geschwistern ist bei Menschen eine Straftat nach 173 StGB und gilt bei Heimtieren als Tierschutzverletzung gemäß 11 TSchG. Inzest führt zu gesundheitlichen Einschränkungen und zur genetischen Verarmung. Im Gegensatz zu den Behauptungen des Zoochefs kommt Inzest in der Natur nicht vor. Er steht im Widerspruch zu den EEPs und auch die Richtlinien der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) verbieten Inzucht und Inzestzucht. Das Veterinäramt Mitte geht mittlerweile gegen den Inzest bei den Löwen im Zoo vor (vgl. meine Kleine Anfrage: Wo ist die Erfolgsgeschichte für den Berliner Zoo, wenn von neun Inzestzucht-Löwenjungen acht sterben?. Die Behörden in Lichtenberg haben sich an den planmäßigen Giraffen- und Raubkatzeninzest durch den Tierpark-Chef offenbar gewöhnt (vgl. meine Kleine Anfrage: Planmäßige Giraffen-Inzest-Zucht ist eine Tierschutzverletzung warum sehen die zuständigen Behörden tatenlos zu?.

- Überflüssige Tiere verkauft der Zoo-Tierhändler

Verantwortungsvolle Zoos planen ihre Nachzuchten entsprechend des eigenen Bedarfs oder entsprechend des Bedarf anderer Zoologischer Gärten und vermitteln ihren Nachwuchs im Rahmen von Zuchtprogrammen. Nicht so in Berlin. Inzest-Jungtiere und überzähligen Nachwuchs, insbesondere die männlichen Jungtiere, die nicht im Rahmen der EEPs gezüchtet werden, bekommt der Tierhändler, weil Platz geschaffen werden muss für neuen Nachwuchs.
Die Verantwortung für das Wohlergehen des von ihm gezüchteten Zoonachwuchses übernimmt der Tierparkchef nicht. Sibirische Tiger wurden vom Tierhändler an Tigerfarmen in China vermittelt (siehe Artikel auf der Homepage der Tierschutzorganisation PETA und meine Kleine Anfrage: Wo bleibt der überzählige Nachwuchs der Zoo- und Tierparktiere?). Von 43 Japanmakaken überlebten einige den Transport in einen spanischen Minizoo nicht (siehe Artikel in der Morgenpost). Ein in Frankreich aus einem Zirkus entlaufener Panther stammte aus dem Tierpark Berlin (siehe Artikel auf der PETA-Homepage). Zoo Zajak handelt mit Reptilien, die der Tierhändler vom Tierpark Berlin "vermittelt" hat. Der siebzehnjährige von Hand aufgezogene Tiger Tango wurde vor ein paar Wochen nach Ungarn abgegeben, um Platz für Jungtiere zu schaffen. Pervertiert wird das Selbstverständnis eines vom Land subventionierten Tierparks vollständig, wenn Tierhändler dort Tiere als Handelsware bestellen können (siehe Tierbestellung durch Tierhändler).

 

 

 

 

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